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Nach dem RegenDie härteste Drei des Gebirges oder „Wir hätten auch was Schönes machen können.“

Nachdem ich hervorragend ausgeruht und gut gebräunt vom Mittelmeer zurückgekommen war, wo ich mir die Zeit mit Psicobloc und Strand vertrieben hatte, wollten der Micha und ich eigentlich nach Tschechien, ins Elbtal fahren, einen Zwischenstop in Tisa einlegen und die Runde beschaulich in Sachsen beenden. Es kam aber alles anders. Aber von Anfang an ….


Schon vor meinem Heimflug zeigten die Wetterprognosen nicht gerade die besten Aussichten; dummerweise verschlechterten sich die Vorhersagen Tag für Tag, sodass wir kurzfristig umplanten und einen Abstecher ins Zittauer Gebirge ins Visier nahmen. Dort sollte es etwas weniger regnen.
Bei frischen zwanzig Grad gelangten wir auf den herzigen Oberseifersdorfer Zeltplatz, der uns schon im letzten Jahr so gastfreundlich aufgenommen hatte. Als Berliner mussten wir uns erstmal umstellen: Alle waren freundlich, hilfsbereit und offenherzig. Das waren wir nicht gewohnt!Frank im Zitauer Gebirge
Am Tag darauf fuhren wir Richtung Oybin, zur Gratzer Höhle und bekletterte dort ausgiebig alle Gipfel. Die Kletterei war wunderbar, das Gestein fest und die Absicherung gut. Obwohl es zu Beginn mit dem AW an der „Krummen Tante“ erstmal ein Umgewöhnen vom Kalk Mallorcas an den Zittauer Sandstein mit seinen Rinnen und Kaminen, die wir so lieben, gab, machte die Kletterei einen Heidenspaß. Die Zittauer Innenstadt begrüßte uns wieder mit ihrem mediterranen Rathausplatz und hervorragender einheimischer Küche.so schöne Schuhe
Den nächsten Tag begannen wir am „Hussitenriff“ mit der schönen Linken Südwand, irrten dann ein wenig im Wald herum, um dann wieder an genau diesem Felsen zu landen, der einige sehr beeindruckende südliche Aufstiege bot. Riesige Henkel markierten den Weg der Jeschkewand, das Klettern war ein Hochgenuss und als es fast nicht mehr schöner werden konnte, brach unversehens ein deftiges Gewitter über uns herein, das mich kurz unter dem Gipfel überraschte. Dank der bereits angesprochenen Henkel konnte ich die Route pitschnass beenden (inkl. Eintrag ins Wandbuch, das zum Schutz vor Touristen und Kindern zwei Meter unter dem Gipfel in einer Nische versteckt gehalten wurde.) Einigermaßen feucht stiegen wir zurück, nahmen noch solo den „Opferstein“ mit und beschlossen, unsere Fahrt aufgrund finsterster Wetterberichte zu unterbrechen.KLettern in Oybin
Zwei Tage später ging es in Richtung Sebnitz, zu Heikos Hacienda. Schon auf der Autobahn schafften die Scheibenwischer es kaum, die Wassermassen zu bewältigen und erst im Zahnsgrund hörte der Himmel auf, pausenlos Feuchtigkeit auf uns herabzukübeln. Das waren ja tolle Aussichten!
Mit Schrödi und Janosch, die auf der Hacienda weilten, teilten wir uns ein abendliches Bier, bei etwas gedrückter Stimmung, dick angezogen, klamm und etwas pessimistisch, ob der nächsten Vorhersagen. August eben. Frank und Micha im Bielatal
Aber neuer Tag, neues Glück. Es regnete nicht mehr. Micha und ich fuhren ins Bielatal, hakten einen Haufen Quacken ab, kletterten den Sternchen-NO-Riss am Krallenturm und den AW an der Glasergrundnadel und hatten, wider Erwarten einen Bombentag. Pünktlich zum Abendbrot öffnete der Himmel wieder seine Schleusen und schüttete alles auf uns herab, was er zu bieten hatte. Laut Heikos Regenmesser kamen wir in diesen Tagen auf über einhundert Liter Regen. Die Waldbrandgefahr hielt sich höchstwahrscheinlich in Grenzen.Bielatal vom feinsten
Am nächsten Tag waren wir etwas geplättet und wurschtelten bei äußerst schwülem Klima etwas motivationslos an allerlei feuchten Felsen herum. Immerhin sprangen vier weitere Gipfel im Bielatal dabei heraus, darunter mein dreihundertster – die Schwarzmühlenspitze. Leider reiste Micha dann ab, da er anderweitige Verpflichtungen hatte. Dafür kam überraschend Vereinsvorsitzender Gotschi aus der Schweiz daher und übernahm seinen Posten. Trotz strahlenden Sonnenscheins hingen wir den ganzen Donnerstag gammelnd auf der Hacienda herum und harrten der Klettersportler, die da kommen wollten - Heiko und Chrille.Neuer Talweg an der Schönen Nadel im Glasergrund
Am Freitag klappte das frühe Aufstehen dann nur mittelgut und so hieß es einen flotten Schuh machen, um die Verabredung mit Holger May im Nassen Grund einzuhalten. Mit ihm war unsere Klettersportgruppe komplett und wanderte frohgemut in den Dom, wo wir „Küster“, „Domwächter“ und „Rohnspitze“ erklimmen wollten. Der „Küster“, leicht zu übersehen, im Angesicht seiner zwei etwas höheren Kollegen, bot mit dem Orgelspiel eine durchaus kräftige VIIa, die Chrilles sechshundertsten Gipfel markierte. Hurra! Als wir damit fertig waren, lugten wir vorsichtig zum „Domwächter“, wo Heiko versprochen hatten, im AW (III) schnell das Seil einzuhängen. Bereits einige Zeit vorher waren lautes Fluchen, Schnaufen und Stöhnen aus dieser Richtung zu hören gewesen. Heiko und Holger mühten sich redlich und ließen keinen Zweifel daran, dass die härteste Drei des Elbsandsteingebirges (so ein Eintrag bei teufelsturm.de) ihrem Titel alle Ehre machte. Da abzusehen war, dass es etwas dauern würde, versuchte ich den Reitzweg an der „Rohnspitze“, scheiterte jedoch mangels Mut an rolligem Gestein und sengender Sonne beim Einhängen des ersten Ringes. Vielleicht ein andermal!Blick zum Domwächter
Heiko und Holger hatten es mittlerweile auf den Gipfel geschafft, wo erst einmal Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet werden mussten, um die Nachwirkungen der Route zu beseitigen. Da war natürlich meine Freude groß, das auch vorzusteigen. Und der AW hielt was er versprach – ein Schulterrisseinstieg, Orientierungsprobleme im dunklen Zehn-Meter-Kamin und zum Abschluss noch eine schön enge, grüne Rinne führte schließlich zu den letzten fünf Metern Genusskletterei, für den der Weg anscheinend sein Sternchen bekommen hatte. Aber wie steht es im Klefü: „Sternchen = Besonders schöne und gut abgesicherte ODER historisch bedeutsame Route“. Ich denke, am „Domwächter“ war letzteres gemeint.

                         Holger am Beginn des Übertrittes auf die Rohnspitze                   Übertritt 2               Übertritt 3
Als alle oben waren stiegen wir per Übergangsweg noch auf die „Rohnspitze“. Das war eine schöne Sache, endete aber mit einem fünf Meter hohen „sehr engen Kamin“, wie in der Routenbeschreibung zu lesen war. Gottseidank lag dieser diesmal nicht im Schatten, sodass alle Kletterteilnehmer noch einmal alles aus sich herauspressen durften, was noch in den gestählten Leibern an Flüssigkeit vorhanden war. „Wir hätten ja auch was Schönes machen können.“, lautete das Fazit des Tages.Zur Belohnung gönnten wir uns Sülze und Bier in der Buschmühle und führten den Abend bei Schnaps und angeregten Gesprächen erfolgreich zu Ende, wobei uns Tom Paz und Philipp (letzterer vom KV Lok) Gesellschaft leisteten. Sie waren nach schöner Kletterei im Brand zu uns gestoßen.
Am Sonnabend marschierten wir in die Affensteine, wo für viele von uns bis dato unbesuchte Gipfel standen. Die Klettersportgruppe teilte sich am „Wilde-Schlucht-Turm“, der bei einigen schon abgehakt war und so geschah es, dass Heiko und ich uns an der „Wackerzacke“ erstmal eine Wartenummer ziehen mussten, um eine sächsische Viererseilschaft, bestehend aus drei netten Damen und dem Günther, beim Überfall beobachten zu können. Als es dann für uns soweit war, hatte sich schließlich auch der Rest unserer Jugendsportgemeinschaft eingefunden. Die „Wackerzacke“ wurde mit nur wenigen Wacklern wacker bestiegen und weiter ging es zum „Promenadenturm“. Boulderzug für VIIa, Tom Solo am Promenadenturm AW
Sehr hoch war er ja nicht, aber durchaus etwas feucht und widerborstig anzusehen. Tom fackelte nicht lange, packte die beiden Henkel, Fuß nach oben und schon stand er solo auf dem Gipfel. Die anderen Teilnehmer taten es ihm gleich, nur ich musste mit dem Bahnlegerweg wieder etwas Extravagantes haben. Fein, fein. Unterwegs zu den nächsten Gipfeln konnte folgendes Gespräch belauscht werden: „Du musstest links den Sidepull matchen, dann den Hook setzen und crimpst dann den Move nach rechts.“ „Geile Sloper, nur der Approach war ein bisschen scary. Allez, venga! Nice!“ Liebe Kinder: Das war Boulderisch. Ein Wörterbuch folgt in Kürze.
Die nun folgende „Promenadensäule“ wollten wir souverän per Abkürzung erreichen. Durch feuchte Schlotten, grüne Kamine und garstiges Gehölz bahnten wir uns furchtlos unseren Weg bergan, um dann zu erkennen, dass es erstens irgendwann nicht mehr weiterging, wir zweitens sowieso vor dem falschen Gipfel standen und drittens der Weg unten entlang, auf dem bequemen Wanderweg, eine Sache von drei Minuten gewesen wäre. Helden der Berge! Also alles wieder zurück. Wiederum verteilten wir uns, diesmal auf die „Promenadenspitze“ (Philipp, Tom, Heiko, Gotschi) und die „Promenadensäule“ (Chrille und ich). Letztere bot mit einem furchteinflößenden Übertritt in ausgesetztem Ambiente eine sportliche Nervenprobe für den wagemutigen Vorsteiger.Übertritt auf die Promenadensäule von Phillip Gottseidank kam das Seil von oben! Wie beim Staffellauf erfolgte die Übergabe an die nachgeeilten Bergkameraden. Chrille und ich begingen derweil den „Gespaltenen Kopf“ per SO-Wand und die „Zerborstene Nadel“ über die Westkante. „Zum Sichern brauchst du nur eine Exe mitnehmen, bis zum Ring liegt eh nichts.“, schallte uns der gutgemeinte Rat eines sächsischen Bergsportfreundes entgegen. Na, wunderbar! Anscheinend traute er uns zwei Buletten nicht zu, dass wir so einen Ausrufezeichenweg ohne Schlottern hinbekommen würden. Nun ja, es war dann tatsächlich eine interessante Nervenprobe, gelang aber ganz gut. Viel Reibung und wenig Sicherung; das bot Spannung, Action und gute Laune. Ein anerkennendes Nicken der sächsischen Klettergemeinde war der Lohn.
Wo wir schon mal da waren, könnte ich ja auch gleich noch den „Zweiten Zerborstenen Turm“ mitnehmen, dessen Gipfel ja nur anderthalb Meter weiter per Übertritt zu erreichen war, dachte ich mir so in meiner jugendlichen Einfalt. Der Übertritt gelang problemlos, die anschließende Reibung ebenfalls. Aber wo war der versprochene Gipfel? Weit und breit nur Klüfte, unangenehme Übertritte und Sprünge; auch der Klefü brachte diesbezüglich keine Klarheit. Abklettern bei 30 Grad im Schatten über unübersichtliche Steilreibung war auch keine Option; von unten grinsten mir Rollstuhl und Krankenhaus entgegen. Nach einigem Herumgesuche fand ich schließlich den versteckten Gipfelübertritt und konnte mit einem erleichterten Seufzer per erstklassigem Seilmanöver zu Chrille zurückklettern. Das war an diesem Tag schon wieder mehr Abenteuer als ich mir gewünscht hatte.Auf dem Domerker
Hurtig eilten wir nun zum „Domerker“, wo uns die anderen schon ungeduldig erwarteten. Spektakulär seilten wir ab und strebten im Eilmarsch der Heimat zu, wo wir riesige Mengen Essen und Bier in uns hineinstopften, nicht ohne vorher aber noch einen herrlichen Regenbogen über der Schrammsteinkette beobachtet zu haben. Später reisten dann mit Annette, Cornelius und Hans noch drei weitere KV Lok-Mitglieder an. Es wurde ein schöner Abend.
Am Sonntag schließlich wählten wir den Brand, damit wir das lange Kletterwochenende würdig abschließen konnten. Wie dort üblich, irrten wir ein wenig herum, wühlten uns durch Farnkraut und stiegen über umgestürzte Bäume, um zum Ziel zu gelangen. Tom, Annette, Cornelius und ich wählten die Direkte Südwand der „Ochelspitze“, eine von Manfred Vogel erstbegangene wunderschöne VIIc, die uns allen ein Lächeln ins Gesicht zauberte (O-Ton Chrille). Vorher bestiegen die anderen den „Popanz“, wobei Philipp in Schwebe Nervenstärke am Ausstieg zeigte, wo die Reibung vor dem Ring unangenehm aufsteilte. Atemlos schauten wir dabei zu. Nur Wettkampfbouldern im TV ist schöner!AW Direktausstieg am Popanz
Unsere Seilschaft eilte dann weiter durchs Gemüse in Richtung „Bonifaz“ und „Berg-Frei-Turm“, die wir per AW schnippsten. Dann ging es zügig nach Waitzdorf zurück, wo wir uns im Gartenlokal der ortsansässigen Gastronomie an den angebotenen Köstlichkeiten labten. Seilschaft Nummer zwei (Heiko, Chrille, Philipp und Hans) wandelte auf unseren Spuren, hakte ebenfalls die beiden Gipfel ab und gesellte sich später, bei Speis und Trank zu uns. So endete ein sehr schönes Wochenende.auf der Ochelspitze


(Frank T.)

August 23

NACHTRAG:

Es soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass unser Kletterkücken Tom Paz, mit der Wackerzacke seinen 100ten Sachsengipfel erfolgreich bestiegen hat.

Und weil es so schön war, hier noch ein paar Impressionen des Wochenendes:

Holger tritt zur Rohnspitze über    Rebirthing nach dem engen Kamin 

Helden auf dem Domerker

 Die Grinsekatze    Buschmühlen Superfood

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