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Der Chrille allein im Wald

oder von Einem der auszog um das Fürchten zu lernen

Was soll ich sagen, alle meine liebsten Kletterpartner wählen in der letzten Zeit so merkwürdige Ausreden wie Knie kaputt, Schulter gesprengt, Sprungelenkbänder angerissen oder schieben banale Montagetätigkeiten vor. Das alles nur, um nicht mit mir klettern zu müssen, sollte mir das zu denken geben?

 

Da man ja bekanntlich am besten zum Denken kommt, wenn man alleine ist, hatte ich beschlossen ein Wochenende ganz ohne fremde Menschen zu verbringen. Lucie ist alleine in Frankreich, da kann ich ja auch mal alleine zum boofen. Die Wahl fiel auf die Boofe unter der Bielazinne, vielen Dank für den Tipp Pü.

Unter den zarten Klängen von Ozzy`s Stimme auf diversen alten Black Sabbath Alben, rollte ich entspannt um 15:00 Uhr am 03.07. in Richtung Ottomühle los. Von dort waren es ja nur ein paar Minuten und ich konnte mein Wochenenddomizil ordnungsgemäß Meditation auf der Bielazinnebeziehen. Es war natürlich frei, ich hatte online vorgebucht ;-) Die Dämmerung zog langsam und ruhig bei einer Abendmeditation und der Planung des morgigen Tages auf der Bielazinne mit einem gepflegten Bier herauf. Hier oben habe ich im Februar mit Mo, Ingo und Arne schon mal gesessen und rüber auf die Gruppe um den Spannagelturm geschaut, allerdings bei etwas anderen Temperaturen. Nachdem ich meine fertig gekochten Nudeln beim Abgießen im Wald verteilt habe, war das Abendbrot mit mehr Ricotta und Pesto, dafür weniger Nudeln etwas spärlich. Zum Glück verfüge ich über ausreichende körpereigene Reserven, so war mein baldiger Hungertod nicht zu befürchten.

Nach dem Frühstück, dummerweise war die Milch dick geworden, stand ich gegen 8:00 (!!!) schon am Fuße des Fledermausturmes um das Tageswerk zu beginnen. Da mir aus hinlänglich bekannt gegebenem Grund kein Sicherer zur Verfügung stand, versuchte ich meine Youtube-Ausbildung zu nutzen und übte mich im Klettern mit Selbstsicherung. Das hat ganz gut geklappt, aber die möglichen Wege sind so schon ziemlich eingeschränkt. Das war dann auch der Grund, weshalb meine nächsten Gipfel eher der Schwierigkeit I und II sowie dem Thema Solo und barfußklettern gewidmet waren, bevor ein Überfall auf den Fichtenkegel mich dann doch noch mal in die Selbstsicherung zwang. Ich war gerade schön im Flow, als ich unvermittelt auf meinem Gipfel Nr. 10, der versteckten Wand, die Herren Brutscher und Karl traf. Wie sich herausgestellt hatte, haben sich die beiden überDr. B. baut sich ne Sicherung alter Schinken auf der verlassenen Spitzeeine WhatsApp-Gruppe (!!!) für heute verabredet.  Es dürfte keinen wundern, dass die beiden einen eher selten begangenen überhängenden Schulterriss gewählt hatten. Es war die 7. Begehung seit 1978. Nach einem netten Gespräch und dem Austausch der unvermeidlichen Kletteranekdoten wärend der gemeinsamen Pause, fragte mich der Herr im braunen ASV-Anzug unvermittelt, ob ich nicht Lust hätte etwas mit den beiden zu klettern. Klar, solch ein Angebot konnte ich doch nicht ausschlagen und so wanderten wir weiter zur verlassenen Spitze. Ich war angenehm überrascht, als an dieser die Nordwand VIIa gewählt wurde, eine ziemlich abwechslungsreiche Kletterei. Am Ende fanden wir ein altes Gipfelbuch von 1979 und verewigten uns als Seilschaft in diesem. Nette Menschen die beiden, hat wirklich Spaß gemacht und vielleicht trifft „man“ sich ja irgendwann irgendwo wieder.

seltsame Gestalten  Gipfelbucheintrag auf der verlassenen Spitze

 

 

 

 

Die beiden wollten noch etwas am Waldhorn ansehen, ich musste mich noch um Würfel, Hilfssheriff und Sheriff kümmern. Nach der Corona bedingten Kletterpause war ich nach 15 Tagesgipfeln dann auch stehend k.o. und wankte im Schleichgang zurück zur Boofe. Der 16. Tagesgipfel war dann  abermals die Bielazinne, auf der ich mit einem Bier mein Überleben nach Hause gemeldet habe. Ich glaube ich habe keine Hornhaut mehr an den Füßen.

Nach einer wunderbar ruhigen Nacht, es war kein bisschen gruselig, erwachte ich wieder früh, dafür mit deutlichen muskulären Abnutzungserscheinungen. Es gab lecker Musli mit Wasser und schwarzen Kaffee, so ein Mist. Ich habe erst mal in aller Ruhe gepackt, damit der Zimmerservice die Boofe für den nächsten herrichten kann. Wieder stand ich um 8:00 Uhr am ersten Gipfel, diesmal war es der Mandarin, also Schuhe aus und hoch- und runtergestürmt. Dummerweise merkte ich danach erst auf dem Sonnenwendstein, dass ich mich verstiegen hatte. Den hatte ich zwar vor ein paar Jahren mal über den Südriss **III mit Thomas Meyer schon abgesammelt, aber der AW ist auch eine schöne Expedition. Zumindest wusste ich nun wo der Hallenstein wirklich war. Langsam wurde es voll und von überall her waren die üblichen Kletter- und Besuchergeräusche und Fragen zu hören. Den Einstieg zum Nassen Stein habe ich nicht gefunden und so langsam verlies mich die Lust bzw. die Kondition komplett. Krönender Abschluss des Wochenendes wurde dann der gesuchte Turm. Ich musste an Heiko denken und beschloss es jetzt lieber sein zu lassen, bevor noch was passiert. Ich hatte 20 Gipfel, dabei 17 neue und einige schöne Erfahrungen und Erinnerungen gesammelt, was will man mehr.

Wohn- und Schlafzimmer mit offener Küche Wohnzimmerausblick

Fazit: Alleine boofen ist geil, der Wald ist nachts nicht gruselig, alleine- und barfußklettern ist klasse, aber mit anderen sich solche Erfahrungen zu teilen möchte ich nicht missen. Freiheit ist nur cool, wenn man sich darauf freuen kann nach Hause zu kommen.

Der Volvo-Chrille vom 03.07. bis 05.07.2020

Kommentare   

# RE: Der Chrille allein im Wald 2020-07-09 10:52
Kaum geht man mal raus, passiert was Schönes. Schöner Bericht, aber mit deinen Füßen stimmt was nicht. pü

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