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Moritz auf dem Gipfel der Genüsse

...oder Afrikas höchster Drops ist gelutscht

Vorwort:

Tag 3.3 Machame Route, Kilimanjaro 2018Seit letztem August bin ich nun im Rahmen eines Freiwilligen Ökologischen Jahres in Tansania und anfangs freute ich mich sehr, als klar wurde, dass ich ein Jahr im tansanischen Hochland in Njombe verbringen würde. Njombe liegt immerhin auf 2.000m und so packte ich voller Vorfreude meine Kletterschuhe mit ins Gepäck. Wenn das da schon so hoch ist wird man ja wohl irgendwo rumkrakseln können, dachte ich. Schnell stellte sich heraus, dass das ein Irrglaube war und es bis auf ein paar Hügel hier nichts wirklich gab.

Okay, nichts ist auch wieder gelogen. Ganz im Norden gibt es ein paar Vulkane, vielleicht nicht das richtige Terrain zum Klettern, aber immerhin etwas wo man hochsteigen kann. So fing ich an mich mit anderen Freiwilligen darüber zu unterhalten, welcher Berg denn der schönste und beste sei. Es gibt dort einerseits den Mount Meru mit 4.565m, ein paar andere kleinere und natürlich den Kilimanjaro mit seinen stattlichen 5.895m.

Nun galt es sich zu entscheiden welcher bestiegen werden soll. Viele der anderen Freiwilligen wollten auf den Mount Meru, da er eine sehr schöne Natur und einen guten Blick auf den Kilimanjaro zu bieten hat. Auch die Vorfreiwilligen bestätigten, dass sich der Meru auf jeden Fall lohnen würde. Mein sportlicher Ehrgeiz kam mir da jedoch in die Quere und mir war schnell klar, dass ich es bereuen würde, wenn ich mir den Meru auswählen würde. Oben stehen und auf den Kili zu blicken, den höchsten Berg Afrikas, wäre schon fast eine Sünde.

So entschied ich mich dafür, den Kilimanjaro zu besteigen. Was nun noch fehlte war ein Mitstreiter, denn ich hatte keine Lust meinen Trip über eine große Organisation zu buchen. Das kann schnell mehrere Tausend Euro kosten und eine ziemliche Touriaktion werden. Diesen fand ich in Ansgar, einem meiner Mitfreiwilligen, der direkt in Boma Ng'ombe (wörtlich übersetzt: Kuhdorf) am Fuß des Berges wohnt. Wir sind insgesamt 16, immer in Zweiergruppen über das ganze Land verteilt. Auch für ihn war auch klar, dass er nicht ein Jahr im Schatten des Kilimanjaro verbringen kann ohne ihn zu besteigen! Einen weiteren Freiwilligen aus Boma und zwei aus Arusha (nur 40km entfernt) bekamen wir leider nicht überzeugt.

Für die weitere Organisation muss ich Ansgar einmal einen ganz großen Dank aussprechen! Während ich ganz im Süden von Tansania saß, kümmerte er sich um alles Wichtige. Er lernte einen Guide kennen, mit dem er alles für unsere Tour absprach und organisierte alles Notwendige. Man muss dazu sagen, dass wir beide blutige Anfänger waren / sind was das Bergsteigen betrifft. Ich war vorher nur auf Gipfeln, welche gerade einmal halb so hoch wie der Kili sind und auch da bin ich nicht mit viel Gepäck hochgelaufen. Wir mussten uns also voll und ganz auf unseren Guide und das Internet verlassen. Zudem wussten wir weder hinsichtlich der Höhe noch in Bezug auf eine längere Tour mit Gepäck, wo unsere Grenzen lagen, und so gingen wir auf Nummer sicher. Uns wurde empfohlen nur unsere Tagesrucksäcke zu nehmen und den Rest an Träger zu geben.

Die letzte Entscheidung die wir noch zu treffen hatten, war der Zeitpunkt. Da wir unsere Ruhe haben wollten, entschieden wir uns für Ende März, das ist während der großen Regenzeit und es soll laut Tansaniern zu dieser Zeit dort oben sehr kalt sein. Das schreckte uns jedoch nicht ab, da es laut Wetterbericht nur um die 0° am letzten Camp und -6° auf dem Gipfel sein sollten. Eine wirklich schreckliche Kälte also.

Mitte März machte ich mich also auf den Weg Richtung Norden. Nach gerade einmal 17 Stunden Fahrt im Bus kam ich bei Julian in Arusha an, wo ich eine Nacht verbrachte, bevor ich noch einmal zwei Stunden weiterfuhr. Wegen der vielen Unfälle dürfen die Busse nachts nicht fahren. Froh und mit viel angestauter Energie vom langen Sitzen kam ich bei Ansgar in Boma an. Es war mit ca. 25°C ein warmer, aber leider bewölkter Sonntagabend, weshalb man den Kili nicht sehen konnte. Ich bin aus Njombe nur 10-20°C gewöhnt.

In den nächsten Tagen fuhren wir mehrmals nach Moshi, die nächst größere Stadt, um dort noch einige Sachen zu erledigen und unserem Guide Juma einen Rucksack mit unseren Sachen zu bringen. Dieser war zwar nur gut 10 kg schwer, aber da wir nicht wussten was uns erwartet, machten wir es wie mit ihm besprochen. Abends fuhren wir mit dem Bus schon mal in Richtung Machame Gate zu Ansgars ehemaliger Gastfamilie. Dort hatte er das erste halbe Jahr gewohnt, bevor er runter in die Stadt gezogen ist. Für mich begann die Reise auf den Kili schon hier, denn das Dorf lag mitten im Wald und es gab einige Bananenplantagen.

Am nächsten Morgen ging dann die Besteigung richtig los. Nach einem ordentlichen Frühstück waren wir um acht Uhr mit unserem Guide an der Straße, welche hoch zum Machame Gate führte. Dort ließen wir uns vom Nationalpark unser letztes Geld abnehmen und warteten noch auf einen weiteren Porter, da wir nicht wollten, dass sie zu viel tragen. Wir vertrieben uns die Zeit in der Sonne und beobachteten, wie ein Affe den Müll ausräumte.

Bild 1 Ansgar, Machame Gate, Kilimanjaro 2018

Tag 1:

Der erste Tag war sehr entspannt. Vom Machame Gate auf 1.800m ging der Weg langsam durch den Wald bergauf. Anfangs noch auf einer Schotterstraße kamen wir schnell auf einen schmaleren Weg und tauchten in die Natur ein. Über uns hangelten sich Affen und ab und zu war das Plätschern eines Baches zu hören. Nur die Vögel waren erstaunlich leise. Irgendwo im Wald vernichteten wir dann unsere Lunchbox und machten uns weiter an den Aufstieg. Da die Porter schon kurz vor uns losgegangen waren und nicht sehr viele Leute zu dieser Jahreszeit den Kili besteigen, trafen wir niemanden. Nur ein paar aufsteigende Wolken überholten uns und brachten ein wenig Luft zum Abkühlen.

Bild 2 , Kilimanjaro 2018 Bild 3 Machame Camp, Kilimanjaro 2018

Nach gerade einmal drei oder vier Stunden kamen wir am Machame Camp auf 3.000m an. Dort wurden wir auch schon von unserem Zelt und unerwartetem Luxus überrascht. Unser Zelt hatte ein kleines Vorzelt in dem ein Tisch und zwei Campingstühle standen. Das hatten wir uns so zwar nicht vorgestellt, aber Juma hat sich bei allem sehr große Mühe gegeben und so war auch die Essensauswahl hervorragend. Dank Tisch konnten wir abends auch noch mit Juma ein wenig Karten spielen. Um halb zehn ging es dann auch schon ins Bett, immerhin sollte es ja morgen weiter steil bergauf gehen.

Tag 1.0 Machame Route, Kilimanjaro 2018 Tag 1.3 Moritz und Juma, Kilimanjaro 2018

In der Nacht sanken die Temperaturen von etwas über 20°C auf 12-15°C und der Himmel war sternenklar. Ich war schon in Njombe immer sehr beeindruckt, wie viele Sterne man im Vergleich zu Deutschland sehen konnte, aber so hell hatte ich den südlichen Nachthimmel vorher noch nicht gesehen.

 Tag 1.4 Blick von Machame Camp auf Kilimanjaro, Kilimanjaro 2018

Tag 2:

Am nächsten Morgen sind wir um sieben Uhr aufgestanden und haben das ausgiebige Frühstück mit Haferbrei, Ei, Pancakes, Würstchen, Obst, Toast, Marmelade und Erdnussbutter genossen. Während wir noch beim Frühstück saßen, sahen wir dann auch die anderen Leute schon mit dem Aufstieg beginnen. Insgesamt waren es drei Gruppen bzw. neun andere die mit uns die Machame Route hochstiegen.

Bild 4 , Kilimanjaro 2018 Tag 2.0 Frühstück, Kilimanjaro 2018

Eine gute Stunde später als alle anderen machten wir uns dann in der Hoffnung auf den Weg, dass wir dadurch unsere Ruhe haben würden. Der Weg wurde schnell immer steiler und steiniger. Auch wenn unsere heutige Etappe nur kurz sein sollte, machte sie doch sehr viel Spaß, denn anstatt durch den Wald bergauf zu laufen war es jetzt schon eher Bergsteigen. Die Bäume wurden immer kürzer und weniger und so öffnete sich für uns der Blick in alle Richtungen, wenn nicht gerade Wolken davor waren. Leider blieben wir nicht so alleine wie am Vortag, denn Stück für Stück holten wir die anderen Gruppen ein.

Bild 5 Shira Camp, Blick auf Kilimanjaro und Mount Meru, Kilimanjaro 2018_2

Gegen zwölf Uhr kamen wir dann auch schon im Shira Camp auf 3.750m an. Dieser Abschnitt war mit seinen 5 km zwar nicht sehr lang, dafür aber sehr schön. Wir machten es uns außerhalb unseres Zeltes gemütlich, auch wenn es hier schon deutlich kühler und windiger war. Hinzu kam, dass wir die meiste Zeit in einer Wolke saßen und Raben unser Essen haben wollten. Als sich die Wolken verzogen, genossen wir unser Mittagessen (Chipsi na Kuku, also Pommes mit Hühnchen) und ich konnte einen ersten Blick auf den schneebedeckten Gipfel erhaschen, dieser blieb mir ja die Tage vorher immer verwehrt.

Tag 2.1 Shira Camp, Kilimanjaro 2018 Tag 2.3 Shira Camp, Kilimanjaro 2018

Nach dem Mittagessen und einem kleinen Päuschen machten wir zum Akklimatisieren noch einen kleinen Spaziergang zu einem Punkt auf 4.100m. Den Abend verbrachten wir mit Kartenspielen und als die Wolken sich aus dem Tal erhoben hatten, bekam man in der Dämmerung einen wunderbaren Blick auf Arusha und den Mount Meru. Leider hatte sich Ansgar den Magen verrenkt, weshalb der Abend für ihn weniger schön verlief.

 Tag 2.2 Shira Camp, Kilimanjaro 2018_2

Tag 3:

Diese Nacht wurde es das erste Mal kälter, wir wurde jedoch dafür wieder mit einem grandiosen Sternenhimmel belohnt und am Morgen war sogar der Boden ein wenig gefroren. Für uns ging es wieder gegen sieben Uhr los mit aufstehen, frühstücken und Sachen packen.

Bild 6 Lava Tower, Kilimanjaro 2018 Tag 3.0 Machame Route, Kilimanjaro 2018 Tag 3.1 Lava Tower, Kilimanjaro 2018

Gegen halb neun machten wir uns dann auf den Weg. Der erste Abschnitt ging hoch zum Lava Tower, eine Etappe von 5 km auf 4.600m. Langsam wurden die Pflanzen immer weniger bis es nur noch Steine weit und breit gab und beim Tower sogar den ersten Schnee. Dort genossen wir es, dass wir nicht ganz so einen „Luxus“ hatten wie die anderen Gruppen. Denen wurde nämlich ein Zelt aufgebaut in welches sie sich zum Essen setzen konnten. Ansgar und ich kletterten dafür ein wenig am Tower hoch und machten es uns mit unseren Lunchboxen und einer guten Aussicht gemütlich.

Tag 3.2 Lava Tower und Zelter der anderen, Kilimanjaro 2018_2

Während wir hoch zum Lava Tower gelaufen sind, haben unsere Porter eine Abkürzung zum nächsten Camp genommen. Nach dem Mittag ging es dann wieder 6 km runter zum Barranco Camp auf 3.900m. Auf dem Weg fing es an zu regnen, weshalb wir uns beeilten und für anderthalb Stunden nichts tranken. Als wir dann ankamen hatte ich den Rest des Abends Kopfschmerzen. Ich hing schnell meine nassen Sachen auf und pumpte den Rest des Abends Wasser, Tee und Kaffee in mich rein. Wir hatten extra eine längere Route zum Akklimatisieren ausgewählt, es gibt auch eine Dreitagestour, und jetzt schon Höhenkrankheit zu bekommen, war das letzte was ich brauchte. Diese Nacht hatten wir einen guten Blick auf Moshi und Boma Ng'ombe. Außerdem wurde es noch kälter, so dass unsere ganze Zeltwand gefror. Tag 3.4 Machame Route, Kilimanjaro 2018

Tag 4:

Als wir zur gleichen Zeit wie an den anderen Tagen aufstanden, war es noch immer kalt und dunkel, da wir nun im Schatten des Berges in einer Senke saßen.

Diesen Morgen lief alles etwas langsamer, so dass wir erst um zwanzig vor neun loskamen. Zuerst mussten wir aus unserer Mulde. Dafür ging es relativ steil eine Wand entlang ca. 150 m nach oben. Auch wenn die Steine allesamt vereist waren, war es ein Genuss, mal wieder die Hände einsetzen zu müssen. Ich habe mich selten so über eine gefrorene Westwand am Morgen gefreut.

Bild 7 Aufstieg nach Barranco Camp, Kilimanjaro 2018_2

Nach der Wand ging es weiter ein wenig bergauf bis zu einem kleinen Plateau auf 4.200m. Mittlerweile trafen wir auch auf noch mehr Leute, da sich am Vortag eine andere Route mit unserer vereint hatte. Nachdem wir kurz den Ausblick genossen hatten, stapften wir weiter an den Leuten vorbei runter zum Karanga Camp auf 4.000m. Kurz davor war der letzte Fluss vor dem Gipfel und wir füllten nochmal alle unsere Flaschen auf. Pünktlich zum Mittagessen kamen wir mit einem guten Hunger an. Obwohl es bloß 5km waren und die Camps nur einen Höhenunterschied von 100m haben, brauchten wir durch das langsame Laufen und das ständige Auf und Ab zwischen drei und vier Stunden.

 Tag 4.0 Im Hintergrund Barranco Camp, Kilimanjaro 2018 Tag 4.4 Ansgar und Kilimanjaro, Barafu Camp, Kilimanjaro 2018 Tag 4.2 Moritz und die zwei Guides, Kilimanjaro 2018

Nachmittags ging es dann nur noch bergauf. Je höher wir nun kamen, desto langsamer gingen wir auch, immerhin wollten wir auf keinen Fall Probleme mit der Höhe bekommen. Gegen halb fünf kamen wir dann nach 4,5 km am Barafu Camp auf 4.673m an.

Bild 8 Barafu Camp, Kilimanjaro 2018

Hier waren wir nun über den Wolken und hatten einen guten Blick auf den Nebengipfel und den Uhuru Peak, den höchsten Punkt Afrikas direkt vor uns. Mit diesem Blick gab es nur noch eines zu tun: Ich holte mein Notizbuch und einen Edding heraus und malte groß auf eine Doppelseite „KV FDGB“. Während ich das tat, kamen immer wieder schneeweiße Gesichter, gestützt von zwei Portern, den Berg herunter. Manche glücklich, manche einfach nur kaputt. Langsam bekamen wir Respekt und uns wurde mulmig. Würden wir morgen um diese Uhrzeit genauso aussehen?

Tag 4.3 Barafu Camp, Kilimanjaro 2018_2

Das Abendbrot machte das Ganze nicht besser, die Höhe hatte nun mir den Appetit verdorben. Gegen acht gingen wir schlafen, da wir um halb zwei nachts mit dem Aufstieg beginnen wollten.

Tag 5:

Ich schaffte es nicht zu schlafen und so sah ich ab Mitternacht die ersten Lichter an unserem Zelt vorbei in Richtung Gipfel pilgern. Auch das Frühstück mochte mich nicht und dazu kam noch der Schwindel. Aufgeben war aber keine Option und so stapften wir um halb zwei im Schein unsere Stirnlampen los. Ob es bewölkt war oder nicht, weiß ich nicht mehr. Einfach einen Schritt vor den anderen setzten, nicht stolpern oder umkippen und Ansgars Füße vor mir im Blick. Wir hatten nur sehr leichtes Gepäck und waren mit unseren zwei Guides und einem Porter, der für diesen Tag auch Guide war, unterwegs. Nach anderthalb Stunden waren wir auf 4.900m, höher als der Mount Blanc. Das gab mir neue Kraft und so stiefelten wir weiter. Ungefähr zu dieser Zeit begannen auch der Schnee und der Wind. Damit zog dann auch die Kälte in unsere Hände und Füße, die nur noch afrikanische Temperaturen gewohnt waren. In immer kürzer werdenden Abständen sah ich Ansgar mit seinem Fuß gegen Steine treten. Wie sich herausstellte, fühlte er genauso wie ich seine Zehen nicht mehr.

Langsam kamen aber die Lichter vor uns immer näher und wir konnten an den größeren Touristengruppen vorbeigehen. Danach war es wieder schwarz vor uns und nur sehr weit vorne sah man ein paar andere Lichter. Nach einer weiteren Stunde war ich kurz davor aufzugeben, da ich mich immer schwächer fühlte. Da hörten wir jedoch einen lauten Jubelruf von oben und unser Guide sagte uns, dass es nur noch 40 min bis zum Stella Point auf 5.756m seien. Ab dort gilt der Gipfel dann als bestiegen. Also weiter im Dunkeln ein Schritt vor den anderen gesetzt und siehe da, kurz danach waren wir auch schon da. Generell war mein Zeitgefühl diese Nacht komplett ausgeschaltet und so war ich überglücklich, als wir am Stella Point ankamen. Wir schossen ein kurzes Foto, welches aber nicht so gut war, da es noch dunkel war und man erst einen ganz kleinen orangenen Streifen am Horizont sehen konnte.

Bild 9 Stella Point, Kilimanjaro 2018

Einen kurzen Moment überlegte ich aus einem mir jetzt unerklärlichen Grund umzudrehen. Mit ein paar Schlucken Mangosaft im Bauch, der Aussicht auf nur noch 500m und 100 Höhenmeter, wir hatten gerade fast fünf Stunden für 5 km gebraucht, und einem Tritt von Ansgar in meinen Allerwertesten (Danke dafür nochmal!) machten wir uns dann aber an die letzten Meter. Diese gingen nun in der aufgehenden Sonne erstaunlich schnell.

Keine Viertelstunde später hatten wir um 6:30 dann den Uhuru Peak, die Spitze der Freiheit erreicht. Den höchsten Punkt Afrikas und der höchste freistehende Berg der Welt und höher als jeder Punkt in Europa, Ozeanien und der Antarktis, vierthöchster der Seven Summits.

Bild 10 Uhuru Peak, Kilimanjaro 2018

Der Blick über den schneebedeckten Krater, getaucht in das orangene Licht des Sonnenaufgangs, war genauso atemberaubend wie der hinüber zum Mount Meru, welcher im Schatten des Kilimanjaro fast winzig aussah.

Bild 11 Mount Meru und Schatten von Kilimanjaro, Kilimanjaro 2018

Ich war so glücklich wie selten zuvor und konnte mir auch ein paar Freudentränen nicht verkneifen. Auch wenn die ersten Tage sehr einfach waren, hatte mich die Höhe auf der letzten Etappe an meine Grenzen getrieben. Wir schossen noch ein paar Fotos und fielen uns, nach dem Stella Point, ein zweites Mal in die Arme. Wir hatten es geschafft und das ohne Unterstützung, zumindest was unser Körpergewicht betrifft. Von den ca. 40 Leuten, die an diesem Tag den Aufstieg versuchten, waren wir immerhin die fünften obwohl wir als letztes losgegangen sind. So machten wir uns nun überglücklich wieder auf den Abstieg. Alle Anzeichen von Höhenkrankheit waren bei mir verflogen, nur meine Kraft hatte ich noch nicht zurück. Das nächste Ziel war, auf eigenen Beinen wieder komplett herunterzukommen, was sich noch als kleine Herausforderung entpuppen sollte.

Gegen halb zehn waren wir dann schon wieder im Barafu Camp angelangt und wir ließen uns erst einmal in unsere Stühle fallen. Schuhe aus, Beine hoch und mit einem Kaffee in der Hand den anderen Portern und Rescue-Teams beim Aufstieg zu sehen. Es hatten also nicht alle so gut überstanden wie wir. Beim Mittagessen war ich dann wieder voll dabei und gegen elf machten wir uns schon weiter an den Abstieg. Noch einmal 6km zum Mweka Camp auf 3.100m, dann hatten wir unsere längste Etappe geschafft. Das Mweka Camp lag wieder im Wald und man wurde von der warmen, feuchten und dicken Luft nahezu erschlagen. Wir genossen es und hatten wieder einen wunderbaren Blick auf den Gipfel.

Tag 5.0 Auf Rückweg am Stella Point, Kilimanjaro 2018

Für mich war das schon fast ein guter Abschluss, aber auf Ansgar wartete noch eine kleine Herausforderung. Das zweite Mal auf dieser Tour durfte er sein Abendessen nicht behalten. Während ich gegen acht Uhr, nach 37 Stunden ohne Schlaf, wie ein Stein ins Bett falle, verbringt Ansgar eine sehr schlaflose Nacht, da er immer wieder das Zelt verlassen muss, um jeden Schluck Wasser der Natur zurück zu geben. Als kleinen Trost sichtet er aber noch ein Stachelschwein bei einem seiner nächtlichen Ausflüge.

Bild 12 Blick von Mweka Camp auf Kilimanjaro, Kilimanjaro 2018

Tag 6:

Am nächsten Tag ging es dann nach dem Frühstück, für Ansgar nur Tee, runter zum Mweka Gate. Vorher erwartete uns aber noch ein Kulturschock. Nebenan fingen die Porter an, für die Weißen angeblich tansanische Lieder zu singen. In Touristenorten sind wir es gewohnt mit „Jambo“ angesprochen zu werden, einer Begrüßung welche kein richtiges Kiswahili sondern nur für Ausländer ist. Begrüßungenfloskeln hier sind nicht so leicht. Dass aber den Weißen dort auch noch ein Lied auf Kinderniveau auch mit einem solchen Text als typisch tansanisches Lied verkauft wurde, hat uns dann doch geschockt. Wir verteilten an dieser Stelle gleich noch die Trinkgelder an unsere Porter, den Koch und die Guides und bedankten uns, dass sie uns wie normale Menschen behandelten.

Die letzten 10 km zum Mweka Gate auf 1.650m dauerten dann doch noch einmal vier Stunden, da Ansgar sehr schwach war. Am Ende kamen wir aber beide heil und komplett auf eigenen Beinen wieder unten an. Dort nahmen wir dann glücklich unsere Urkunden in Empfang und fuhren nach Hause, wo wir uns einen ruhigen Abend machten, bevor wir am nächsten Tag mit einem kühlen Kilimanjaro (einem lokalen Bier) auf unseren Erfolg anstießen.

Tag 6.0 Abstieg am Ende wieder im Wald, Kilimanjaro 2018

Danach verbrachte ich noch eine Woche mit Ansgar in Boma Ng'ombe und Moshi, bevor ich mich auf den Heimweg machte.

Fazit:

Im Rückblick muss ich sagen, dass diese Tour eine große Bereicherung für mich war und sich auf jeden Fall gelohnt hat. Auch kann ich nun meine Grenzen besser einschätzen. Wir hätten wohl nicht so viele Porter gebraucht, da wir sowohl unsere Kleidung, war nicht so viel, als auch Schlafsack, Isomatte und ein normales Zelt hätten tragen können. Da wir immer langsam gegangen sind, war ich bis zum Barafu Camp nicht an meine körperlichen Grenzen gegangen und wir hätten auch ohne Probleme noch langsamer und dafür dann mit Gepäck gehen können. Nur das Essen für sechs Tage zu tragen, stelle ich mir dann bei dieser Höhe schwer vor, denn dann würde der Rucksack ja nochmal deutlich schwerer. Auf den vielen Luxus wie Stühle, sehr abwechslungsreiches Essen und Trinkzusätze (Kaffee, Tee, Kakao, Milchpulver und Malzdrink) hätten wir verzichten können, ich muss aber sagen, lieber am Anfang es etwas leichter haben als nötig, als am Berg zu scheitern.

Bild 13 , Kilimanjaro 2018

Für mich zählt, dass mein erstes Bergsteigerabenteuer ein so gutes Ende genommen hat, ich es bis zum Gipfel und wieder heruntergeschafft habe und die Flagge des FDGB nun auch über Afrika weht.

Moritz Wiegand in Tansania, Afrika vom 20.03. bis 26.03.2018

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