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VIERTELFINALE AN DER ELBE

Freitag, 17:42 Uhr auf der Autobahn. Noch 25 km bis Dresden und in einer viertel Stunde ist Anpfiff gegen Frankreich. Der silberne Blitz parkt 19 Minuten später etwas alternativ in der Nähe des Neustädter Bahnhofs in dem sich blöder Weise kein einziger Bildschirm befindet. Also weiter. In der ersten Lokalität drängen sich Menschen bis an die Tür vor einem Beamer der ersten Generation. Wir sehen nichts richtiges, Hummels hat den Endstand schon geköpft und wir ziehen hastig weiter um den Rest des Spiels dann in einem arabischen Pizzaimbiss vor der Glotze zu verbringen, während vor der Tür gemischtes Publikum den Kick mitlebt. Das Bier war schön kalt. Bald nach Abpfiff geht die Reise weiter zur Schrammsteinbaude. Die vage Hoffnung dort das Brasilienspiel mit einigen Gerstenkaltschalen zu versüßen wird und unter Verweis auf das visuelle Highlight in der Toskanatherme genommen. Und so schauen wir in einem Festzelt an der Elbe mit den üblichen Gestalten das Spiel um uns dann in Richtung der ursprünglichen Herausforderung zu bewegen. Dem Teufelsturm. Der Talseite**.

          

 

 

Lange habe ich davon geträumt u nd den Gedanken immer wieder verworfen. Allein Ottos Postulat, das machen wir jetzt, ist es zu verdanken hier zu sein. In der Teufelsturmboofe. Es ist warm und stürmisch, so dass die Nacht wenig erholsam ist. Der Morgen präsentiert sich mit schwerem Himmel und die beiden netten Herren von der Nationalparkverwaltung lassen durchklingen, besser nicht zu lange zu warten. Leider sollten sie Recht behalten den es beginnt zu tröpfeln als 3 Sachsen den Weg zur Boofe hochkommen und in Richtung Turm verschwinden. Was können die was wir nicht können? Otto will mal schauen und so trotten wir im Niesel zum Einstieg. Dort angekommen entspinnt sich eine hübsche Unterhaltung an deren Ende es ein Bier weniger gibt und die Jungs mal zur Scharte des AW klettern, schließlich muss man da ja auch mal gewesen sein. Wir ziehen es vor zum benachbarten Spitzkegel zu wandern und diesen über die Talvariante zu besteigen. Langsam weicht die Nacht aus meinem Körper und die Wolkendecke bekommt blaue Risse. Die erhöhte Luftfeuchtigkeit wird vom Wind davongetragen und nach einer kleinen Stärkung in der Boofe steht Otto eingebunden am Einstieg und macht los. Oh Mann, die Talseite wirkt trotz optischer Interferenz überwältigend und als mich Otto zum ersten Ring nachholt, gesellt sich zur Demut vor den Versuch Dittrichs in den Zwanzigern auch der Tiefblick zum Wandfuß. Otto schleicht zum 2. Ring und möchte gleich weiter, doch nicht ganz unerwartet wird der Kletterfluß durch zunehmende Schwierigkeiten gebremst.

   

Also Herdi an den ersten Ring geholt um dann den Weg in Richtung Vorsteiger einzuschlagen. Hier muss man schon mal richtig klettern, die Griffe sind kleiner und die Tritte verschwinden mal kurz. Bei Otto angekommen stehe ich der Inkarnation eines Insekts der Welt Traal gegenüber der mich unumwunden darüber aufklärt, das wäre doch genau meine Kletterei, so kleine Griffe halt- nur der Ring lasse sich vermutlich bescheiden einhängen. Ob ichs nicht mal probieren wolle. Ich entscheide mich spontan dagegen, auch weil Otto in seinem Rausch unvorsichtigerweise erwähnt, er würde schon noch mal gucken wollen und so macht er sich mit den wohlwollendsten Versicherungen über die Rechtschaffenheit seines Unterfangens auf den Weg zum 3. Ring. 4 Meter über mir spreizt er in die Wand und ich überlege ob ich genug Bewegungsspielraum habe um im Falle des Falles ausweichen zu können. Mit Hilfe von Thomas Geschenk gelingt das Ringklinken. Jubel hebt an, ich wische mir den kalten Schweiß von der Stirn. Herdi weist auf die fiese Wolkenfront am Horizont hin und wir beschließen die erstmal zu ignorieren. Der Weiterweg wirkt anspruchsvoll und fordernd. Otto klettert in Richtung Gardinden als sein Körper unmissverständlich Anzeichen von Erschöpfung zu zeigen beginnt. Im überhängendem Gelände bringt er eine Schlinge und setzt sich, so langsam es geht hinein. Mittlerweile ist so viel Seil ausgegeben, dass die Gedanken an Fallhöhe und Flugrichtung wieder drängender werden. Im zweiten Versuch schafft er es in das große Loch und nach einer kleinen Webepause sitzt Otto auf dem Gipfel. Wahnsinn. Otto ist oben, und während sich über mir die Natur des Käfers Bann bricht hole ich Herdi zum 2.Ring. Der Rest ist kleingriffige Kletterei an großartigem Fels. Fordernd aber durchaus machbar. Das Ambiente genießen wir dann mit dem Gipfelbier ausgiebig.

 

Nach dem Abseilen beschließen wir dem Elbtalwächter einen Besuch abzustatten und ich klettere den Ausblick*. Ein hübscher Name für einen schönen Weg- und der Ausblick die Elbe entlang ist malerisch. Mitgebrachte Bier und Weinvorräte werden bis zum Dunkelwerden auf dem sonnenwarmen Stein verköstigt und glücklich schlendern wir zurück in die Boofe.

 

  

Nach windstiller Nacht erwachen wir zufrieden, das Tagesziel heißt Satan und vielleicht noch ein bissl was drumherum. Zum einklettern besteigen wir den Schrammsteinturm über seinen AW, danach direkt zum Satan. Herdi klettert den neuen SW Weg der mit einem nicht trivialen kleinem Risseinstieg und interessanten Reibungszügen überm Ring Wachsamkeit fordert. Die Sonne brennt und wir sind ganz froh nicht in dieser Hitze am Teufelsturm rumzuhängen. Unwillkürlich erinnere ich mich an die Begehung des Wettersteiner Weges mit Dirk und Heiko. Unsere Wahl fällt auf die Sonnenspitze. In der Scharte ist es noch schattig und der Schartenwinkel grinst uns alle an. Auf dem Weg zum Ring kann ich noch ne Sanduhr und was basteliges legen. Dort angekommen sieht die zum Gipfel führende Rissrinne sicherungsfrei aus. Dafür gibt es versteckte Griffe und schneller als gedacht sitze ich in der Sonne. Mein 500. Gipfel- ein schöner Weg allemal. Da wir uns ziemlich dicht am Gratweg befinden, zumindest in Luftlinie, überlegen wir Alternativen zum langwierigen Abstieg. Der Wandwächter und Regenturm fehlen noch in Ottos Wunschliste und so wandern wir nicht ganz so sauber wie am Start über den Gratweg in Richtung der Türme. Von selbigem hat man eine fantastische Aussicht auf die Schrammsteinkette, dann geht es über steile Leitern auf der anderen Seit hinab. Als erstes soll der Wandwächter über den Schartenweg bestiegen werden. Soweit, so gut. Ein abdrängender Schulterriss im fünften sächsischem Grad bildet die Eintrittskarte für den folgenden Kamin und die Schlusswand. Herdi steigt ein und kämpft sich im Riss hinauf. Eine Besonderheit an diesem Einstieg ist die gravierende Trittlosigkeit in genau jenem Bereich, in dem der Oberkörper nicht mal durch stoisches Ausatmen an Höhe gewinnen kann. Während also der Oberkörper festsitzt und die Arme kraftintensiv ein abrutschen verhindern, findet der gewillte Aspirant seine Füße zur Nutzlosigkeit verdammt. Nach gefühlt einer halben Stunde und vielen Versuchen in allen Richtungen, mit und ohne Unterstützung durch Otto, ist Herdi noch keinen Schritt weiter. Ich versuche es einige Male ohne Unterstützung, muss aber einsehen, dass ich mit Klettergurt keine Chance habe. Also ausgezogen das Teil, den Gürtel der Hose gleich mit und Dank Ottos Hilfe schrubbe ich mich zentimeterweise durch den Spalt. Endlich klemmt mein Fuß Hacke-Spitze und ich verstehen den oft zitierten Spruch, das Rissklettern Übelkeit erzeuge kann. Der sich anschließende Kamin ist zwar harmlos, die Energieverwaltung attestiert das konstante verbleiben im orangen Bereich. Vor der 3 Meter Schlusswand hätte ich dann beinahe kapituliert. Belohnt wurden wir mit einem alten Buch und der Erkenntnis, das es einschlägige Verrückte gibt die sich den Weg Solo holen. Manchmal muss man sich ganz schön schinden um sich danach schlecht zu fühlen.

Der Regenturm ist mir nicht mehr wirklich präsent, Kamin, Moos und ein komischer Überfall. Herdi hat es auf jeden Fall großartig gemacht. Auf dem langen Weg zurück in die Boofe und von dort zum Auto manifestiert sich die Gewissheit ein wunderschönes Wochenende erlebt zu haben.

 

 

Kommentare   

# El Presidente 2014-07-28 20:30
Schöner Bericht ! Ein paar hübsche Bilder zur Untermalung würden mir sehr gut gefallen.
Ach so, Glückwunsch zur 500.

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