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Kreuzturm Nordwand und Besuch aus Laos    Wie sichern wir den Spass nur ab ( Freier Turm)


Relativ spontan wollte ich nach meinem Mittelmeerurlaub mal wieder runterfahren, stellte aber zu meinem Entsetzen fest, dass nahezu jeder irgendwie verplant, im Urlaub oder irgendwie unpässlich war. Hervorragenderweise traf ich am Türmchen auf Qbi, der sofort zusagte und mit der Nordwand am Kreuzturm auch gleich einen Teil des Wochenendprogramms anregte. Das hatten wir ja schon länger vor. Ohne weitere Umschweife fuhren wir nach Sebnitz, wo wir Plätze im FdgB-Heim gebucht hatten.

Dort trafen wir zwar nicht auf den Hausherren, der anderweitig zu tun hatte, aber auf ein Pärchen aus Laos, nämlich auf Dennis und Nikita. Beide betreiben dort ein Klettercamp und wollten mal Elbsandsteinluft schnuppern (Dennis) bzw. sich das Ganze einmal anschauen (Nikita). Amtssprache für das Wochenende war somit englisch. Qbi bereitete beide in seiner besonnenen Art vorsichtig darauf vor, auf was sie sich einließen. Die abschreckende Wirkung erwies sich jedoch als gering, was dazu führte, dass wir am Sonnabendmorgen gegen neun zu viert unter dem Einstieg zur Bloßstockscharte standen. Das war keine Minute zu früh, denn Heikos Nachbar Frank stand mit einer Viererseilschaft Gewehr bei Fuß, um ebenfalls die Nordwand anzugehen. Ganz unbürokratisch entschieden sie sich dann aber um und kletterten einen schönen Schulterriss am Bloßstock.

Gute Absicherung im zweiten Quergang am Kreuzturm
Bereits der schön grüne und feuchte Einstiegskamin erfüllte uns mit Vorfreude und zeigte, dass es nicht immer ratsam ist, in Sachsen helle Klettersachen zu tragen. Nachdem wir uns, entgegen aller Empfehlungen, für den klassischen Einstieg der Nordwand entschieden hatten (wenn schon, dann sollte es der originale Strubich/Jüngling-Weg sein), ging es auch schon mit einem mittelprächtigen Schulterriss los. Das kann ja heiter werden, dachte ich. Einer gemäßigten Zehn-Meter-Querung an interessanten Schlingen folgten der erste Ring und ein erstes Durchschnaufen. Qbi kam nach und nun hieß es gleich, die Schlüsselstelle des Weges anzugehen. Fünf Meter Queren im siebten Grad war angesagt. Mit ordentlich Luft unterm Hintern ging es hinein ins Glück. Der Strubich hielt was er versprach und so war ich froh, nach windigen Zügen an Zangen und Fingerlöchern die Einstiegsschuppe der Hangel in der Hand zu halten. Die Hälfte meines Weihnachtsbaumschmuckes fuhr in den Riss, was das Hangeln zu einer herrlichen Angelegenheit machte. Das hätte ruhig bis zum Gipfel so weitergehen können. Am zweiten Ring holte ich Qbi nach, der beim Klettern ebenfalls eindeutig erkannte, dass wir uns an der Schlüsselstelle befanden. Zum zweiten Ring holten wir dann auch Dennis nach, der sichtlich zu tun hatte, den direkten Einstieg zu meistern. Am vom Emanuel Strubich handsignierten Standplatz musste natürlich ein Erinnerungsfoto her. Die zweite Querung war dann viel entspannter als die erste, die zweite Hangel etwas weniger schön als die vorige, und so gelangte ich an den Anfang des Ausstiegsschulterrisses. Der ließ sich halb auf Hacke-Spitze, halb auf Verschneidung klettern und so war ich wirklich froh, schließlich auf dem Gipfel anzukommen.

Nikita am Kreuzturm
Starker Wind begleitete Nikitas Kampf zum ersten Ring. Sie gab alles und genoss die ungewohnten Aufleger und die interessante Schwierigkeitsbewertung im sächsischen Sandstein. Dennis hatte dann genug und seilte ab, Nikita entschloss sich jedoch, das Erlebnis zur Gänze auszukosten. Querung und Hangel liefen super und dann machte sie im Schulterriss Bekanntschaft mit den Freuden des sächsischen Kletterns. Meine Ratschläge, Knie und Schultern in den Spalt zu stecken, stießen auf Unverständnis und Missfallen, doch erschöpft, aber glücklich biss sie sich bis nach oben durch. Qbi hatte selbstredend keine Probleme und somit konnten wir glücklich unser Gipfelfoto machen.

Nikita, Qbi und Frank T auf dem Gipfel vom Kreuzturm
Über den nun folgenden Freien Turm wollen wir mal den Mantel des Schweigens decken. Irgendein Fanatiker hatte die Nachholöse am Massiv entfernt, was uns massive Probleme bescherte, aber der Freude über den Kreuzturm keinen Abbruch tat.
Am Sonntag stiegen wir die Heilige Stiege hinauf und rieben uns am Heiligen Wenzel warm. Dort erfuhren meine Mitstreiter auch mein bestgehütetes Geheimnis: Ich mag kein Reibungsklettern. So, nun ist es raus! Seid nicht zu erschüttert.
Über wilde Pfade und übles Baumstamm-Mikado gelangten wir zur Schneeberger Spitze, die erstmal nicht sehr einladend wirkte. Der AW begann mit einem kurzen Wandstück. Dann folgte ein Kriech-Quergang, der in bewährter Robbentechnik bewältigt werden konnte und am Einstieg eines überhängenden Schulterrisses endete. Der ließ sich aber gut absichern und machte sogar richtig Freude. So kann man sich täuschen. Wir kriegten das alle vier gut hin und erfreuten uns in der Sommersonne an diesem schönen Gipfel.

Das Risiko ist klar erkennbar am Großen Schartenkopf
Der Große Schartenkopf versprach dann wieder etwas mehr Abenteuer. Mehr oder weniger komplett ungesichert ging es zunächst in einen dunklen Schund hinunter, dann eine tiefe Rinne hinauf zum Fuß einer herrlich ausgesetzten Reibung. Zweimal beherzt losmachen, um dann den runden Gipfelkopf mit drei sportlichen Boulderzügen zu erklimmen. Das ist Sachsen, wie wir es lieben! Nikitas Liebe hielt sich allerdings etwas in Grenzen. Eine 180-Grad-Drehung im Kamin, gefolgt von fiesem Rinnengekrauche, drei ausgesetzten Reibungszügen und dem oben fast grifflosem Ausstiegsboulder verlangten ihr alles ab. Dennis hatte auch ordentlich zu tun und gesellte sich nach wackerem Kampf erschöpft, aber frohgemut zu uns. Nachdem Qbi in tiefenentspannter Genusskletterei oben angelangt war, entschieden sich unsere Gäste spontan, keinen weiteren Gipfel ersteigen zu wollen. Komisch! Der Sportbegeisterung war bereits ausreichend Genüge getan worden. Also schnipsten Qbi und ich noch rasch den Kleinen Schartenkopf, was uns in der untergehenden Sonne fast schon kitschige Fotos bescherte. Alle Kinder waren glücklich!

Endlich Feierabend, Nikita beim Abseilen in den Heringsgrund
Relativ flott lustwandelten wir nach Schmilka zurück, wo wir leider voneinander scheiden mussten. Ich hoffe, wir sehen uns mal wieder, vielleicht sogar in Laos im Klettercamp. Ein wunderbares Wochenende war zu Ende und Qbi und ich kamen erst weit nach Mitternacht wieder in der Großstadt an.

(Frank T., 18.08.2025)

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